Aktuell

Aktuelles, 01.02.2019

Gestern war unsere erste Sitzung in diesem Jahr. Anlass genug, wieder einmal eine Zusammenfassung zu machen über unser Engagement.

Von Beginn an waren wir nur sehr lose organisiert. Das sogenannte Gründerteam ist eine kleine Gruppe von vier ganz unterschiedlichen Charakteren, Berufen, Interessen. Alle haben ihre bestimmten Fähigkeiten, die miteinander verbunden, diesen Schrank ins Leben gerufen haben. Wir sind kein Verein, wir haben keine  niedergeschriebenen Bestimmungen, von Beginn an haben wir uns einander  Vertrauen geschenkt und unsere Namen auf das gemeinsame Konto gesetzt in der Hoffnung, dass es sich füllt.

Die sogenannten Patinnen, die Betreuerinnen des Schrankes, wie ich sie lieber nennen will, sind ebenso unkonventionell zu uns gestossen. Wir haben einander einfach gefunden. Bei der Eröffnung des Schrankes haben sie sich auf eine Liste eingetragen, haben Freundinnen zum ersten Treffen mitgebracht, ich habe die Namen aufgenommen, und vor allem haben wir die Mail-Adressen getauscht, denn über dieses Medium organisiere ich mich hauptsächlich.

Austritte laufen ebenso. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen gibt es kurzfristig Auszeiten oder Kündigungen. Die verbleibenden Betreuerinnen übernehmen die Wochen, die nun nicht organisiert sind. Ich frage ins Team, wie wir vorgehen wollen, um neue Interessierte zu finden, bekomme sogleich Namen, mit denen ich in Kontakt trete. Eingeführt in die Schrankpflege werden sie von einer Kollegin. Gegen Ende Jahr verschicke ich jeweils eine Jahresübersicht und alle Beteiligten schreiben sich für ca. 5 Wochen im Jahr ein, in welchen sie die Verantwortung für den Schrank übernehmen. Muss man etwas schieben, kann man das untereinander ausmachen – der Schrank würde auch einmal eine Woche ohne Betreuung überleben. Nur: alle BesucherInnen würden wahrscheinlich feststellen, dass er etwas ungepflegt daher kommt – Bücher durch- und übereinander, Fremdsprachen kunterbunt auf allen Regalen verteilt, Bildbände auf den schmalen Regalen, so dass die Klappe nicht richtig schliesst und Broschüren, Bibeln, Hefte würden sich plötzlich ansammeln. Sicher wäre es auch um den Schrank herum plötzlich weniger sauber.

An obiger Sitzung nun haben wir die beiden neuen Frauen, die die meisten nur dem Namen nach kannten, angetroffen. Auf eine Vorstellungsrunde haben wir bewusst verzichtet. Wir wissen, was uns verbindet: unsere Liebe zu Büchern. Wir wissen am Anfang nicht, wer was arbeitet oder wer wieviele Kinder, Grosskinder oder Haustiere hat. Im Verlaufe der jährlichen Treffen erfahren wir, was wir wissen wollen oder was erzählt werden will, es geschieht von selbst. Wir treffen uns ca. alle 3 Monate. Manchmal sind wir sehr viele (wir sind insgesamt eine Gruppe von 14 Personen), manchmal nur 4 oder 5 Personen. Dann wird der Austausch meistens persönlicher. Nicht immer geht es um Bücher aber häufig. Immer geht es auch um die schönen Geschichten, die wir am Schrank erleben, Begegnungen, lustige Zufälle, Bücher, die dort wie vom Universum direkt geliefert, auf uns warten. Wir erfahren, was die Leute gerne lesen, was sie schon alles gefunden haben hier, wir erleben, wie schnell ein Buch, welches wir bringen schon wieder eine neue Besitzerin findet. Wir erhalten Buchempfehlungen und geben welche ab. Wir treffen auf vergriffene Bücher, auf Buchtitel, die wir weggegeben haben und es schon bereuen, auf AutorInnen, die wir vergessen hatten, auf Titel, die wir mal gelesen haben, aber uns an den Inhalt nicht mehr erinnern.
Fast täglich fahre ich mit dem Velo am Schrank vorbei und selten steht er einsam da.
Wir haben kein Lager – der Schrank leert und füllt sich von selber. Er ist ein Gemeinschaftswerk von allen, die gerne lesen und die ihre Bücher gerne mit anderen teilen. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich bei allen BesucherInnen. Wir freuen uns immer sehr über die gute Qualität der Bücher – auch über die Aktualität. Wir bedanken uns auch bei allen, die nach wie vor die Buchhandlungen berücksichtigen, die neue Bücher kaufen, damit all die wunderbar kreativen SchriftstellerInnen ihr Auskommen haben. Wenn das Bücherregal zu Hause überquillt, schluckt der Bücherschrank gerne den Überfluss. Schön wäre es, wenn wir wüssten, wohin unsere Bücher wandern, wen sie bewegen, erfreuen, nerven. Aber das ist der Stoff, aus dem die Träume sind.
Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gutes Bücherlesejahr!
Heidi Bachmann
Spendenkonto
AEK Bank Thun, Vermerk „Offener Bücherschrank Thun“ IBAN-Nr. CH68 0870 4046 5144 8114 6
Aktuelles, 27.04. 2018

Schon länger gibt es unter dieser Rubrik nicht mehr wirklich etwas zu berichten. Unser Bücherschrank läuft gut!
Was heisst das? Er ist begehrt, immer, wenn wir ihn aufsuchen, ist jemand schon dort. Im Frühling sitzen wieder Menschen auf dem Bänkli und lesen. Es kommt zu spontanen Begegnungen, zu Gesprächen, so wie wir uns das im Vorfeld gewünscht haben.  So wie die Sponsoren von Orell Füssli das auch gesehen haben: Der Bücherschrank ist keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung! Hauptsache, die Menschen lesen noch Bücher!
Immer wieder bekomme ich Mails mit Anfragen: Wir möchten auch so einen Schrank, könnt ihr uns Tipps geben, was kostet so ein Schrank.
Hier meine ungefähren Antworten:
Unser Schrank wurde gebaut für einen öffentlichen Raum. Das heisst, wir mussten zuerst einen Standort suchen und die Bewilligungen erhalten. Das hiess in unserem Fall, mit der Stadt Thun in Kontakt kommen.  In der Schlussphase fanden wir einen freiwilligen Helfer, der sich um diesen administrativen Aufwand kümmerte. Wir sind ihm sehr dankbar dafür!
Unser Schrank sollte im Freien stehen. Dementsprechend robust musste er sein. Auch wir suchten nach Hilfe und fanden sie beim Bücherschrank Solothurn https://www.buecherschrank-so.ch
Wir „verliebten“ uns in den dortigen Schrank und bestellten ihn schlussendlich beim gleichen Hersteller: https://www.raumformer.ch
Und ja, meistens erhalte ich keine weiteren Fragen mehr, nachdem ich den Preis nenne, den wir beschaffen mussten für dieses Modell: ca. Fr. 13‘000.—
Das heisst, sich auf Sponsorensuche machen! Unser Schrank dankt es uns mit seiner Beständigkeit. Wir würden es jederzeit wieder so machen. Es war gar nicht so schwierig, die Menschen helfen gern bei einer guten Sache, die vielen zugute kommt.
Aber es gibt so unendlich mehr Möglichkeiten: https://de.wikipedia.org/wiki/Öffentlicher_Bücherschrank
Was ist sonst noch wichtig an dieser Stelle zu sagen:
Dass unser Gründerteam so unendlich dankbar ist für die wahren Betreiberinnen des Schranks, unseren aktuell 10 Frauen, die sich um den Schrank kümmern, die ihn pflegen, die aber vor allem mit viel Engagement die Qualität des Schrankes hochhalten! Denn, das muss auch gesagt sein: es ist viel Arbeit. Glaubt mir, nicht alle Bücher, die in den Schrank gestellt werden, werden gelesen! Würden wir nicht sortieren, wäre der Schrank gefüllt mit Readers Digest Büchern oder heiligen Schriften. Oder alten Reisebildbänden oder Städtebildbänden über den Aargau zum Beispiel. Manchmal öffnen wir die Klappe und ein Schwall Kellerluft kommt uns entgegen.
Diese Bücher, ehrlich, die nehmen wir raus und entsorgen sie fachgerecht – der Kartonumschlag in die Kartonsammlung, das Buch selber ins Altpapier. Auch das gehört zu meinen Tipps: beachtet das hohe Engagement über viele Jahre, das mit einem solchen Objekt verbunden ist. Es ist eine Verpflichtung.
Diejenigen, die uns unterstützen wollen: Welches Buch stellt ihr in den Schrank? Hat es eine Chance, gelesen zu werden? Wird es der kleinen Auswahl gerecht? Wenn das Brockenhaus es nicht mehr annimmt, denkt ihr wirklich, dass es jemand noch aus dem Schrank nehmen wird? Solange der Schrank attraktiv bleibt, Überraschungen bietet, wird er besucht. Helft uns!
Herzlichen Dank
Heidi Bachmann
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Spendenkonto
AEK Bank Thun, Vermerk „Offener Bücherschrank Thun“ IBAN-Nr. CH68 0870 4046 5144 8114 6